Das Bundesfamilienministerium hat neuerdings eine Studie in Auftrag gegeben aus der herausgekommen ist, das mehr als 3.000 Frauen zwangsverheiratet werden. Laut der Studie ist fast ein Drittel der Betroffenen Frauen in Deutschland 17 Jahre oder jünger. 40 Prozent sind zwischen 18 und 21 Jahre alt. Welche Motivation haben diese Menschen und kann man so ein Verhalten an der Religion fest machen?
Zwangsheirat ist etwas verabscheuungswürdiges zumal schon der Zwang etwas zu tun, was man nicht möchte ein missachten der Menschenrechte ist. Deshalb ist jede Zwangsehe eine Ehe zu viel, die es zu verhindern gilt. Verhindern kann man aber nur etwas, dessen Ursachen man richtig definiert und nicht per sé an einer Glaubensüberzeugung festmacht. In einer Debatte in der ständig auf den Glauben gelenkt wird, kann man nicht von einer ehrlich gemeinten Debatte sprechen zu mal religiöse Überzeugungen nicht das Thema der Integration, sondern der Assimilation von Menschen sind. Deshalb sollten wir versuchen, die Ursachen für eine Zwangsehe richtig zu erkennen. Erst dann werden wir das Übel aus der Welt schaffen.
In einem Artikel der Zeitung „Die Zeit“ wird darauf verwiesen, dass die Opfer überwiegend aus religiösen Familien stammen (59,4 %). Das führt dazu, dass man sich darüber Gedanken macht woran die Religiosität gemessen wurde. Ist eine Familie die in die Moschee geht und in der die Töchter Kopftuch tragen unbedingt eine „religiöse Familie“? Genauso könnte man fragen, ob eine Familie in der Mädchen kein Kopftuch tragen keine religiöse Familie ist? Woran misst man die Religiosität dieser Menschen? Kann man das überhaupt? Vielleicht möchte man ja alles Negative religiös belegen, um eine Erklärung für Fehlverhalten zu erhalten? Jedenfalls ist mir keine einzige Familie bekannt, die religiös erscheint und ihre Kinder zwangsverheiratet. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich Familien kenne, denen es nicht unbedingt an Bildung mangelt.
Es ist sehr bedauerlich, dass immer wieder gleiche Klischees über Muslime aufgebaut werden, die in der Gesellschaft nur Vorurteile hervorrufen. Es ist ein bestimmtes Bild das über Muslime vermittelt werden soll, das sogar Muslime für Rückständig und hinter-weltlerisch halten. Seit 50 Jahren leben in Deutschland nun Muslime und man wundert sich immer wieder, wenn man mit Fragen konfrontiert wird, wie: „Haben Sie Ihren Mann selbst ausgesucht?“ oder „Haben Sie freiwillig mit Ihrem Mann geheiratet?“, so die Ärztin meiner Frau, als sie zum ersten Mal bei ihr zu Behandlung war und verärgert nach Hause kam, was die Frau sich dabei denkt, wenn sie solche Fragen stellt. Es zeigt nur, wie desinteressiert die Gesellschaft gegenüber Muslimen ist und sich lieber von solchen Studien und Meinungen treiben lässt. Vielleicht ist das ja auch das Ziel der Ministerien, wer weiß?
Jedenfalls lässt sich eine Zwangsehe nicht auf der Grundlage der Religion, hier im speziellen des Islam belegen. Das kann jeder Islamkenner bestätigen. Es ist nur wichtig, woher man seine Informationen beschafft. Ich möchte dass an einigen Aussprüchen des Propheten Muhammed (Friede sei mit Ihm und allen anderen Propheten) belegen.
In einem Ausspruch des Propheten Muhammed (Friede sei mit Ihm und allen anderen Propheten) heißt es: „Der beste unter euch ist derjenige, der sich gegenüber seiner Frau und seinen Kindern am besten verhält“ (İbn Mâce, Nikah, 50).
Wie kann ein Mensch, der sich gegenüber seiner Familie gut verhält, seine Tochter oder seinen Sohn gegen ihren Willen verheiraten? Ist ein Mensch der so etwas tut, noch der Beste unter den Gläubigen? Mit Sicherheit nicht.
Ein weiterer Ausspruch soll ein Bild darüber geben, wie der Prophet (Friede sei mit Ihm und allen anderen Propheten), die Zwangsverheiratete Person behandelte.
„Ein Mädchen kam zum Propheten und beschwerte sich darüber, das ihr Vater sie, obwohl sie jemand anderen liebt mit einem anderen Zwangsverheiratet hat. Daraufhin ging der Prophet zu demjenigen, mit dem das Mädchen zwangsverheiratet wurde und schied die beiden, um das Mädchen mit demjenigen zu verheiraten, die sie geliebt hat“ (Dr. Muhammed Ebu’n- Nur, Kur’an ve Sünnette Evlilik, Uysal Yayınları: 110).
Wenn ein Prophet (Friede sei mit Ihm und allen anderen Propheten), der als Vorbild für alle Muslime gilt jemanden mit demjenigen liiert, den er/sie liebt, wie soll man das bitteschön religiös belegen, das Zwangsheirat etwas islamisch gewolltes sein soll?
Allein diese beiden Aussprüche, das sind direkte Aussprüche und Taten des Propheten (Friede sei mit Ihm und allen anderen Propheten) zeigen, dass der Islam die Zwangsheirat verabscheut. Siehe hierzu auch Rotterdamer Initiative “Hand in Hand gegen Zwangsheirat” dessen Schirmherr Prof. Tariq Ramadan ist.
Wie kommt es trotzdem dazu, dass die Familienministerin immer wieder auf religiöse Motive von Menschen verweist? Welche Absicht steckt dahinter? Ohne eine negative Absicht zu unterstellen möchte ich die Leser mit diesem Gedanken alleine lassen. Ich denke, dass man schnell zu einem Ergebnis kommt, wenn man wirklich gut ausgebildete Islamkenner befragt. Es scheint jedoch, dass man über die Religion urteilt ohne die Religion des Anderen zu kennen bzw. kennen zu wollen, was noch fataler ist.
Nach dem wir nun festgestellt haben, das die Zwangsverehelichung von Menschen keine islamische Grundlage hat, ist es dringend notwendig die tatsächlichen Motive hierzu zu finden.
Eine tiefgreifende Analyse der Zwangsverheirateten Ehepartner wird schnell zum Ergebnis führen, das die meisten Zwangsehen aus materiellen Gründen stattfinden und nicht aus religiösen. Eine Familie möchte das Vermögen, das sie angespart hat nicht mit einer anderen Familie teilen. D. h. die Frau soll nach dem Tod ihres Mannes keine fremde sein, die nicht zu Familie gehört und erbt.
Eine Analyse der Familie des Mannes und der Frau wird dazu führen, dass die übergreifende Mehrheit der Zwangsehen aus dem Familienclan ist. Ein noch schlimmerer Grund ist die fehlende Kenntnis über die eigene Religion, die trotzdem mit religiösen Motiven belegt wird. Dabei wird die Tochter oder der Sohn mit dem Verweis auf die Religion und dem Gehorsam gegenüber den Eltern Zwangsverheiratet. Meist sind das jedoch keine Regeln der Religion, wie wir oben bereits gesehen haben, sondern regional bedingte Verhaltensweisen, die aufgrund fehlender Bildung von Generation zu Generation so weitergeführt wurde.
In jeder Religion gibt es Menschen, die sich religiös nennen sich jedoch kaum mit der Religion auskennen. Meist sind es Kulturgläubige, wie man so schön sagt, d. h. sie führen Verhaltensweisen durch ohne über ihren Sinn und ihre Bedeutung im Klaren zu sein. Solche Menschen werden dann von islamfremden Menschen als Religiös tituliert, weil sie durch ihr Fehlverhalten das negative Klischee bestätigen.
Wenn die Familienministerin wirklich den Frauen und Männern helfen möchte, die nicht mehr zwangsverheiratet werden sollen, dann ist es dringend notwendig mit islamischen Verbänden zusammen zu arbeiten. Es muss meines Erachtens immer wieder deutlich gemacht werden, das Zwangsehen keine Religiösen Boden haben. Aufklärung und Bildung ist das einzige Mittel, um Menschen besser integrieren zu können und nicht die Verurteilung.
Wer trotz Aufklärung Zwangsehen befürwortet, der sollte mit Strafen aus dem Strafgesetzbuch rechnen, die er islamisch gesehen auch erhalten würde, wenn er zwei Menschen zwanghaft miteinander vermählt. Unkenntnis schützt bekanntlich nicht vor Schuld.
Siehe hierzu auch folgende Artikel:

Sehr gelungener Beitrag!
Pingback: Positionen zu Zwangsheirat, Ehrenmord und Islam « Serdargunes' Blog
Lies mal hier:
http://lami12.blog.de/2012/02/10/heirat-12740644/